Dr. Karl Kummer - Historischer Rückblick

Karl Kummer entstammt einer tiefgläubigen burgenländischen Kleinbauernfamilie. Sein Vater war nach Wien gezogen, um hier Arbeit zu finden und tat alles, um seinem Sohn – von fünf Kindern das einzige überlebende – die beste Ausbildung zu ermöglichen. Nach Abschluss des humanistischen Gymnasiums in Hietzing 1923 und zwei Semestern Chemiestudium wandte sich Karl Kummer den Rechts- und Staatswissenschaften zu. Sein besonderes Interesse galt den arbeitsrechtlichen Fragen, der Sozialpolitik und der Sozialwissenschaft. Basis für seine Denkansätze waren damals schon und blieben über sein gesamtes Wirken hinweg die Grundsätze der katholischen Soziallehre.

Nach Studienabschluss absolvierte er die damals obligaten vier Jahre Gerichtspraxis und war dann kurz im Landesinvalidenamt beschäftigt bis er 1934 als Referent für Arbeitsrecht in der Wiener Arbeiterkammer tätig wurde. Tief beeindruckt von den sozialreformatorischen Ideen und Aktivitäten des katholischen Priesters Carl Sonnenschein rief er gemeinsam mit anderen die sozialstudentische Bewegung ins Leben , um eine Annäherung der studierenden und der werktätigen Jugend zu fördern. Er leistete in dieser Zeit soziale Dienste für Obdachlose, kümmerte sich um die Rechtsberatung im Gesellenverein, arbeitete in der Akademikerhilfe und stand auch anderen Jugendorganisationen zur Verfügung.

1938 wurde Karl Kummer kurzfristig verhaftet, nach Auflösung der Arbeiterkammer am 30. Juni 1938 fand er bei der AEG Arbeit bis er diese 1942 aus politischen Gründen aufgeben musste und bei den Wertheim-Werken Auskommen fand. Kummer stand über die Kriegsjahre hinweg in Verbindung mit so genannten Illegalen und entging nur mit Glück der Verhaftung als Mitglied einer Widerstandsgruppe.

Nach dem Krieg wurde er aus seiner engen Verbindung mit der christlichen Arbeiterschaft zum ersten Sekretär des ÖAAB bestellt. Er wirkte beratend an der Bildung der ersten österreichischen Regierung mit und entscheidend an den ersten Gesetzen der Zweiten Republik, etwa dem Feiertagsruhegesetz, dem Arbeiterkammergesetz und dem Werksgenossenschaftsgesetz.

1953 gründete Dr. Karl Kummer das Institut für Sozialpolitik und Sozialreform als geeignetes geistiges Instrument, um die Umgestaltung der Gesellschaft im Sinne der christlichen Soziallehre anzubahnen und die sozialreformatorischen Aufgaben durchzuführen. Dr. Karl Kummer war bis zu seinem Tod Obmann des Institutes und es gelang ihm, namhafte Wissenschaftler und Praktiker für die verschiedenen Fachgebiete zu gewinnen.

Im Dezember 1956 wurde er als Abgeordneter des Nationalrates für die ÖVP vereidigt und engagierte sich in mehreren parlamentarischen Ausschüssen (Sozial-, Justiz-, Verstaatlichung-, Verfassungs- Integrations- und Unterrichtsausschuss). Er leistete ebenso für eine Reihe von Gesetzen (z.B. Hochschulstudiengesetz, Studienförderungsgesetz, Sparbegünstigungsgesetz, etc) wertvolle Beiträge und war Vorkämpfer einer gerechten Familienpolitik und einer systemgerechten Weiterentwicklung des Familienlastenausgleichs.

Am 15. August 1967 verstarb Dr. Karl Kummer völlig unerwartet bei einem Seminar der Vereinten Nationen in Warschau.

Gründung

Karl Kummer, August M. Knoll, Helmut Zandler, Johann Prethaler, Anton Burghardt, Josef Steurer und Franz Hohensinn gründen am 29. Juni 1953 den „Verein für Sozial- und Wirtschaftspolitik“ und das als wissenschaftliche Einrichtung konzipierte „Institut für Sozialpolitik und Sozialreform“.

Ziele und Aufgaben

Die Vereins- und Institutsgründung erfolgte aus dem Bestreben, eine wissenschaftliche Institution ins Leben zu rufen, die nach § 2 der Satzungen „eine Reform der Gesellschaft im Sinne der Prinzipien der Katholischen Soziallehre“ vorbereitet.

Zu den bekanntesten programmatischen Verfechtern der Katholischen Soziallehre gehörten am Institut Karl Lugmayer, August M. Knoll und Karl Kummer. Ihre Ideenwelt setzte die geistigen Traditionen von hervorragenden christlich-sozialen Persönlichkeiten wie Karl von Vogelsang, Karl Sonnenschein, Franz Martin Schinder, Ernst Karl Winter und Leopold Kunschak konsequent fort.

Auf Grund der programmatischen Zielsetzungen und weltanschaulichen Ideale gehörten und gehören dem Institut namhafte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, sozialen Institutionen und Wissenschaft an.
Sozialpolitische Schwerpunkte der Arbeitskreise bildeten von Anfang an vor allem Themen der Familien- und Sozialpolitik, der Eigentumsbildung und Mittelständische Vermögensbildung, der Arbeitswelt und Sozialpartnerschaft sowie der Europäische Minderheiten und Volksgruppen. Vieles, was in den Arbeitskreisen aufgegriffen wurde, konnte auch in legislativen Initiativen umgesetzt werden. Als Beispiel hierfür sei der Familienlastenausgleichsfonds genannt:

Die nächste Generation

1967 verstarb Karl Kummer völlig unerwartet bei einer Konferenz in Warschau. In seinem Gedenken erfolgte die Umbenennung in Dr. Karl Kummer Institut für Sozialpolitik und Sozialreform. Die Nachfolge von Kummer als Obmann übernahm Josef Taus zunächst bis 1975 und dann wieder ab 2000.

1993 wurde die Bezeichnung auf Dr. Karl Kummer-Institut für Sozialreform, Sozial- und Wirtschaftspolitik erweitert, um dem weiten Rahmen der Institutstätigkeit auch nach außen hin noch deutlicher gerecht zu werden.

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